WICHTIGE INFORMATION

Bis auf weiteres werden Termine in unserem Büro ausschließlich nach vorheriger telefonischer Terminvereinbarung wahr genommen. Diese Maßnahme dient dem Schutz unserer Kunden und Mitarbeiter.
Appointments only

Download der Corona Richtlinien

Interview von Ditmar Joest als Vorsitzender des Fachausschusses für Planung und Technik

08 Januar 2021 |Bad Schwalbach
KWB Kommunale Wohnungsbau GmbH Rheingau Taunus, Bad Schwalbach
Interview von Ditmar Joest als Vorsitzender des Fachausschusses für Planung und Technik

Was sehen Sie mittelfristig als größte Herausforderungen für die Wohnungswirtschaft im baulich-technischen Bereich an?

Auf die Wohnungswirtschaft warten im neuen Jahr eine ganze Reihe von Herausforderungen:

 

  1. Unsere Gebäude müssen smart werden.
    Das bedeutet nicht, dass unsere Mieter per App die Rollläden schließen können. Es geht um eine sinnvolle Einbindung von Informationstechnologie in unsere Gebäude.
    Das bedeutet:
    • konsistente Datenübernahme aus der Bauphase in die Bewirtschaftungsphase.
    • Steuerungseinheiten mit Fernauslesung und Fehlermeldungen für die technische Gebäudeausstattung.
      Nicht nur der Aufzug, auch Heizung, Wohnraumlüftung, Leitungssysteme müssen mittelfristig in der Lage sein, Fehlfunktionen umgehend online zentral an die Verwaltung zu melden.
    • Mieterkommunikationssysteme über App, Haustüranlagen und digitales schwarzes Brett müssen als Option für die Kommunikation mit den Mietern in die technische Ausstattung Eingang finden.
  2. Neue Fertigungstechniken.
    Das erste Mehrfamilienhaus aus dem 3D-Drucker wird als Pilot realisiert. Bis zur Marktreife ist das sicher noch ein langer Weg. Aber die Notwendigkeit neben der Frage „Einzelvergabe oder GU / GÜ-Vergabe“ neu über die mittelalterliche Fertigungsweise am Bau nachzudenken besteht. Die vom GdW angestoßene Möglichkeit des seriellen Neubaus ist eine Möglichkeit. Insbesondere im Bereich Gebäudemodernisierung ist der Bedarf an seriellen Lösungen wie zum Beispiel Energiesprong groß. Dabei geht es nicht darum, diese Lösungen umfänglich einzusetzen, aber sehr wohl darum, die Möglichkeiten zu nutzen, wenn die konkrete Bauaufgabe es zulässt.
  3. Erreichen der Klimaziele
    Wir müssen zu einem ergebnisorientierten Umgang mit diesen ambitionierten Zielen kommen. Es kann nicht sein, dass aufgrund zweifelhafter Rechenmodelle bauliche Vorgaben entwickelt werden, die Geld verbrennen, ohne die prognostizierte CO2-Einsparung zu bewirken.
    Die bisherigen Regelungen der ENEV sind für mich dafür ein gutes Beispiel. Zu jedem neuen Programm muss zwingend das Ergebnis in der baulichen Umsetzung evaluiert werden. Die Ergebnisse der Evaluation müssen umgehend zu einer Korrektur bei Normen und Förderprogrammen führen, wenn sich der Ansatz als nicht im beabsichtigten Maß wirksam herausstellt.
  4. Sustainability – Nachhaltigkeit – Upcyling
    Die Etiketten sind wohlfeil – die Notwendigkeit sich in diese Richtung zu entwickeln, ist aber dringend. Wir bauen nach wie vor mit Beton, Ziegel, mineralölbasierten Dämmstoffen – also Energiefressern. In der Tagespresse wird der Beton auch gerne mal griffig als Klimakiller bezeichnet. Die aktuelle Vorschriftenlage setzt uns aber enge Grenzen beim Bauen mit Recyklaten oder umweltschonend produzierten Baustoffen. Und wenn schon nicht die Bauvorschriften, dann auf jeden Fall das enge Finanzierungskorsett.
  5. Architektur und Städtebau
    Wohnen und arbeiten wachsen wieder zusammen. Die Wohnung als Lebensmittelpunkt gewinnt noch mehr an Bedeutung als bislang schon. Derweil fallen Innenstädte leer, weil der Einzelhandel noch kein Mittel gefunden hat, um sich gegen den Onlinehandel zu behaupten. Die Ballungsräume stoßen an ihre Grenzen bei der Erschließung neuer Flächen, der Verfügbarkeit von Trinkwasser, der Organisation der immer vielfältigeren Verkehren. Nicht zuletzt muss die enorme Investition in unsere gebaute Umgebung auch architektonischen Ansprüchen genügen. Das ist keine ästhetisch ambitionierte Forderung versnobter Architekten, sondern gesellschaftspolitische Grundlagenarbeit. Verantwortung und nachhaltigen Umgang mit der baulichen Umgebung entsteht wenn man sich damit identifizieren kann.
    Ein neuer gesamtgesellschaftlicher Konsens zur Entwicklung und Vernetzung von Ballungsräumen, gut erschlossenen Rändern und ländlichen Bereichen ist meines Erachtens notwendig. Die Ergebnisse müssen dann auch gegen regionale Partikularinteressen konsequent durchgesetzt werden.

 

Inwieweit benötigen die Wohnungsunternehmen Verbesserungen bei den gesetzlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zur Bewältigung dieser Herausforderungen?

  1. Angemessen Finanzausstattung.
    Zum einen durch passgenaue und ausreichend ausgelegte Förderprogramme in den oben genannten Feldern. Zum anderen durch das Beibehalten ausbalancierter Belastungen zwischen Mieter und Vermieter, wie zum Beispiel bei Modernisierungsumlage, Mietanpassung oder Umlage von Informationsgrundversorgung.
  2. Änderung von Normen und Vorschriften um Wiederverwertbarkeit zu ermöglichen. Und zwar auf allen gebäudebezogenen Ebenen: Gebäude / Bauteil / Baustoff.
  3. Forschungsaufträge mit Ergebnissen die direkt in der Wohnungswirtschaft umgesetzt werden können.
  4. Vereinfachung von geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen zu Gunsten der Beschäftigten. Subventionierung von Personalkosten bei Beschäftigen außerhalb des wohnungswirtschaftlichen Kernbereiches, wie zum Beispiel der sozialen Fürsorge, der Energieberatung, der Wohnberatung.

 

Den Originalartikel und weitere Interviews finden Sie auf der Seite: Die Wohnungswirtschaft südwest https://www.vdwaktuell.info/wahl_6-2020.html