Richtfest in Taunusstein

Mit dem Bau von 12 Wohnungen reagiert die kwb Rheingau-Taunus auf Mangel am Taunussteiner Mietwohnungsmarkt

Foto: kwb

Es wird fleißig gebaut in der größten Stadt im Landkreis, Kräne stehen in Seitzenhahn, Bleidenstadt, Hahn, Wehen, auch in Orlen. Doch das heißt nicht automatisch, dass dort überall neue Häuser und Wohnungen entstehen, um der starken Nachfrage zu begegnen. In Orlen wird der Kran zur Erschließung eines kleinen Baugebiets gebraucht, in Hahn für den Erweiterungsbau des Ärztezentrums. Tatsächlich neue Wohnungen entstehen in Bleidenstadt, Hahn und Wehen. In Hahn wurde jüngst erst Richtfest gefeiert auf der Baustelle der Kommunalen Wohnungsbau GmbH Rheingau-Taunus in der Kleiststraße.

 

Dort baut die kwb Rheingau-Taunus ein Haus mit 12 Wohnungen. Bis Mai 2015 soll der Neubau fertig sein, sagt kwb-Geschäftsführer Ditmar Joest. Ende des nächsten Jahres will die kwb außerdem einen zweiten Neubau mit 16 Wohnungen in der Dresdener Straße in Wehen bezugsfertig haben. Auch dort sind sämtliche Wohnungen barrierefrei, sie sollen für eine Nettokaltmiete von 9,90 Euro pro Quadratmeter vermietet werden. Die kwb ist mit rund 400 Mietwohnungen der größte Anbieter auf dem Taunussteiner Markt.

Mietwohnungsbau sei schwierig geworden, stellt Joest fest. Denn die vielen Auflagen und Normen, die inzwischen zu erfüllen seien, treiben die Kosten in die Höhe. Ohne ein verbilligtes Darlehen sei ein Neubau kaum mehr möglich. Joest: "Wir können nicht mehr günstiger bauen, wir sind schon lange an der untersten Grenze." Gleichzeitig nehmen die Fördermöglichkeiten immer weiter ab, sagt Joest und erinnert daran, dass man Mietwohnungen für ein anderes Klientel baue als beispielsweise Eigentumswohnungen. Solche entstehen derzeit im Neubauprojekt "Wohnen am Stiftshof" in Bleidenstadt. 16 Wohneinheiten sind geplant, die Hälfte sei verkauft, meldet Makler Rudi Freund. Bis Dezember wolle man fertig sein.

Aus seiner Sicht ist die Bautätigkeit in Taunusstein "nicht signifikant anders als in den Jahren zuvor". Doch Einfamilienhäuser seien nur ganz selten auf dem Markt, der Druck in diesem Segment somit so hoch, dass viele Objekte über Wert verkauft würden. Begehrt seien Häuser nicht nur in Bleidenstadt, Hahn oder Wehen, sondern in jüngster Zeit auch vermehrt in Seitzenhahn und Neuhof. Wobei Freund die Nähe zur Privatschule Obermayr dafür verantwortlich macht.

"Es gibt nichts", stellt Maklerin Maritta Manhart aus Neuhof fest, "es fehlen besonders Mietwohnungen." In Taunusstein gebe es derzeit keine Vier-Zimmer-Wohnung zu mieten, sagt sie auf Anfrage, erst recht fehlten barrierefreie Wohnungen in zentraler Lage. Aus ihrer Sicht wird zu wenig seitens der Politik gemacht. Viele ältere Hausbesitzer würden gerne ihr Haus verkaufen, um dann in eine große Wohnung zu ziehen. Doch diese Wohnungen gebe es nicht. Auch Manhart bestätigt die besondere Beliebtheit von Neuhof. "Ich könnte aus dem Stand zehn Häuser in Neuhof verkaufen, wenn ich diese Häuser hätte."

"Durchwachsen" bezeichnet Martin Gronert von Betz Immobilien den Markt in Taunusstein. Es gebe zu wenig Objekte, und mit den vielen Auflagen seitens des Staates werde das Verkaufen nicht einfacher. Erkennbar sei, dass "die Leute junge Objekte wollen", der Zuzug erfolge aus dem gesamten Rhein-Main-Gebiet. Dank "unsäglich hoher Preise" in den Großstädten erlebe man weiterhin eine gewisse Landflucht, selbst für Mainzer sei Taunusstein interessant.

Für viele Hauskäufer sei die Verkehrserschließung des Wohnortes ein wichtiges Kriterium, sagt Ditmar Joest. "Wichtig ist die Zeit, die ich zum Arbeitsplatz brauche, nicht der Weg", so seine Erfahrung. Deshalb seien im Untertaunus Idstein und Niedernhausen besonders attraktiv. Ebenso aber auch Neuhof als der zur Autobahn nächstgelegene Taunussteiner Stadtteil, ergänzt Bürgermeister Sandro Zehner.

Für Ditmar Joest gilt, dass es wichtig sei, innerstädtische Lücken mit Neubauten zu schließen. Dabei denkt er auch an die Hahner Mitte. Bekanntlich sind die hochfliegenden Pläne mit dem "Neuen Hahner Zentrum" mehrfach gescheitert. Nun scheint die Stadt deutlich kleinere Brötchen backen zu wollen und hat in diesem Monat zu zwei nicht-öffentlichen Workshops über die Zukunft des Areals am Hahner Kreisel eingeladen.

Doch Bürgermeister Zehner sieht die Stadt in Sachen Innenentwicklung an ihre Grenzen stoßen. 2013 seien 113 neue Wohneinheiten geschaffen worden. Davon 102 im Innenbereich, nur elf im Außenbereich. Im Innenbereich bringe dies im Schnitt zwei Neubürger pro Wohnung, im Außenbereich drei.

Auf Dauer werde man nicht darum herumkommen, neue Baugebiete in Wehen-Süd und in Neuhof am Bergfeld auszuweisen. Nur so könne man das für die Stadtentwicklung gesteckte Ziel erreichen, bis 2020 jährlich 100 neue Wohneinheiten zu schaffen, um dann etwa 29 350 Einwohner zu haben. Zudem werden neue Bauplätze den Druck auf die Preise am Immobilienmarkt lindern, hofft der Taunussteiner Rathauschef. Von Grundstückspreisen von bis zu 550 Euro pro Quadratmeter wie in Kiedrich sei man zum Glück noch weit entfernt, sagt er.

Quelle: Wiesbadener Tagblatt


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